Macht Fett wirklich fett?
Macht Fett wirklich fett?
Warum dein Körper Fett braucht – und wie du den Unterschied zwischen „gut“ und „schlecht“ erkennst
Fett.
Kaum ein Nährstoff ist so missverstanden. Viele Menschen meiden ihn aus Angst vor Gewichtszunahme, Cholesterin oder gesundheitlichen Problemen. Doch die moderne Ernährungswissenschaft zeigt: Fett ist nicht der Feind – sondern ein zentraler Baustein deiner Gesundheit.
Der Ursprung des Fett-Mythos
Die Idee „Fett macht fett“ stammt aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Damals wurden vor allem gesättigte Fette mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Doch in vielen Studien fehlte der differenzierte Blick auf die Art des Fettes.
Was folgte, war ein Boom fettarmer Produkte – oft mit mehr Zucker, Stärke und künstlichen Zusatzstoffen angereichert, um den Geschmack zu kompensieren. Das führte paradoxerweise zu mehr Übergewicht und chronischen Krankheiten (z. B. metabolisches Syndrom).
🔎 Beleg: Lancet-Kommentar zur Rolle verarbeiteter Lebensmittel
Was sagt die moderne Forschung?
Nicht die Fettmenge, sondern die Fettqualität entscheidet.
In einer einflussreichen Studie im New England Journal of Medicine wurden über 7.000 Menschen in drei Gruppen aufgeteilt: fettarme Diät, mediterrane Diät mit Olivenöl, mediterrane Diät mit Nüssen.
🔬 Ergebnis: Die Gruppen mit mehr Fett (aber hochwertig!) hatten signifikant bessere Herzgesundheit und Gewichtsentwicklung.
📘 Estruch et al. (2013). Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet. NEJM
Weitere aktuelle Studien bestätigen diesen Effekt:
- Faramarzi et al. (2025): Zeigt, dass gesunde Fette (z. B. mehrfach ungesättigte Fettsäuren) das kardiovaskuläre Risiko senken und bessere Blutlipidprofile fördern.
- Esmaeilinezhad et al. (2025): Verglich Diätprogramme – mediterrane Ernährung schnitt erneut am besten ab, auch in Bezug auf Sterblichkeit und kardiovaskuläre Ereignisse.
- Randeni et al. (2025): Hebt die entzündungshemmenden Effekte von antioxidativ wirkenden Fettkomponenten (wie Omega-3) hervor.
Warum dein Körper Fett braucht
Fett ist essenziell für zahlreiche Körperfunktionen:
- Energiequelle: 1g Fett liefert 9 kcal – doppelt so viel wie Kohlenhydrate oder Eiweiß.
- Vitamintransport: Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) benötigen Fett zur Aufnahme.
- Hormonproduktion: Östrogene, Testosteron und Cortisol basieren auf Fett.
- Zellmembranen: Jede Zellhülle besteht zu großen Teilen aus Lipiden.
- Gehirnleistung: Omega-3-Fettsäuren fördern kognitive Funktionen, Konzentration und Stimmung.
Gute vs. schlechte Fette – worauf du achten solltest
Gute Fette:
- Ungesättigte Fettsäuren (z. B. aus Nüssen, Olivenöl, Avocado, Fisch)
- Omega-3 (z. B. aus Leinöl, Walnüssen, fettem Seefisch)
Schlechte Fette:
- Transfette (z. B. in Backwaren, Fast Food, Frittierfett)
- Stark verarbeitete gesättigte Fette (z. B. aus Palmöl, Margarine mit gehärteten Fetten)
👉 Tipp: Pflanzliche Öle wie Lein-, Oliven- oder Walnussöl kalt verwenden. Zum Braten lieber auf Butter (in Maßen) oder Kokosöl zurückgreifen – beide sind hitzestabil.
Fett und Abnehmen – passt das zusammen?
Ja!
Gesunde Fette fördern die Sättigung und helfen, Heißhungerattacken zu vermeiden. Besonders in Kombination mit Ballaststoffen und Proteinen bleibt der Blutzuckerspiegel stabil, was entscheidend für Gewichtsregulation ist.
💡 Beispiel: Linsensalat mit Avocado und Walnüssen – sättigt, nährt und hält lange vor.
👉 Studien zeigen: Personen mit hohem Anteil gesunder Fette in der Ernährung nehmen häufig langsamer, aber nachhaltiger ab – mit weniger Jo-Jo-Effekt.
🔗 Elfaki et al. (2025): Zusammenhang zwischen gesunder Fettaufnahme und Insulinsensitivität bei Übergewichtigen.
Fazit: Nicht Fett macht fett – sondern schlechte Ernährung
Fett ist kein Gegner. Vielmehr ist es ein unterschätzter Gesundheitsbooster – vorausgesetzt, du wählst hochwertige Quellen.
Was unserer Gesundheit wirklich schadet: stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Anteil an Zucker, Transfetten und Zusatzstoffen.
„Gönn dir hochwertiges Olivenöl, eine Handvoll Nüsse oder ein Avocadobrot – ohne schlechtes Gewissen.“
— Dr. Claudia Prenner, Ernährungsmedizinerin
Empfehlungen & weitere Lektüre:
- NEJM: Mediterranean Diet and Cardiovascular Risk
- NIH: Comparative Effectiveness of Dietary Programs
- Nutrients: Impact of Fat Quality on Health Outcomes

5 Antworten auf „Macht Fett wirklich fett?“
Sehr gern!
Liebe Grüße
Claudia
Danke für die Info. Ist sehr hilfreich.
LG Selma
Hallo Selma!
Sehr gern!
Liebe Grüße
Dr.Claudia Prenner
Deine Wohlfühlärztin
Hallo Claudia,
Danke für deine Information. Ich nehme am liebsten Oliven- und Walnussöl.
Liebe Grüße
Christiane
Hallo Christiane!
Super!Da kommt gleich mediterranes Flair auch auf!
Liebe Grüße
Claudia